Calderatour im Inselnorden Fuerteventuras – Wandern durch eine Welt aus Feuer und Stein

Es gibt Landschaften, die einem den Atem verschlagen – nicht wegen ihrer Üppigkeit, sondern wegen ihrer radikalen Stille. Der Norden Fuerteventuras ist so eine Landschaft. Wer hier wandert, bewegt sich durch ein Territorium, das seit Jahrtausenden dem Wind, der Sonne und den Gewalten des Erdinneren gehört. Die Calderatour im Inselnorden führt genau in dieses Herz aus Lava und Licht.

Malpais Caldera Encantada – das „schlechte Land“ mit besonderem Zauber

Der Name klingt wie eine Warnung: Malpais – das schlechte Land. Auf einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern erstreckt sich diese spektakuläre Lavalandschaft im Norden Fuerteventuras, die vor über 8.000 Jahren durch heftige Vulkanausbrüche entstand. Geologen vermuten, dass die damalige Eruptionsserie die Insel buchstäblich wachsen ließ – neues Land, geboren aus dem Feuer.

Heute ist das Malpais Caldera Encantada ein faszinierendes Freilichtmuseum der Erdgeschichte. Schwarze Lavabrocken, zerklüftete Felskanten und weite, beinahe mondartige Ebenen wechseln sich ab mit überraschend zartem Grün: niedrige Büsche, Kräuter, Flechten und Moos kämpfen sich beharrlich durch das steinerne Substrat. Die Natur trotzt hier ihrer eigenen Vergangenheit.

Start in Las Lajares – wo der Lehrpfad beginnt

Der Ausgangspunkt der Calderatour ist das kleine Dorf Las Lajares, erreichbar von Puerto del Rosario über die FV-1 Richtung Norden, dann links auf die FV-102 bis La Oliva, weiter auf der FV-10. Wer lieber auf das Auto verzichtet: Die Buslinie 8 bringt einen bequem nach Las Lajares – ganz im Sinne eines nachhaltigen Wandererlebnisses.

Am Ortseingang empfängt ein Hinweisschild mit der Aufschrift Sendero turistico – touristischer Pfad. Ein Fahrweg zweigt nach Norden ab, man folgt ihm bis zu einer Weggabelung, biegt rechts ab und erreicht nach wenigen Hundert Metern den ersten Höhepunkt der Route.

Montaña Colorada – Farbe in einer Welt aus Grau

Der Krater Montaña Colorada leuchtet. Inmitten der dunklen Lavafelder strahlt er in erdigen Rot- und Ockertönen, ein geologisches Wunder, das vom tonigen und sandigen Untergrund zeugt. Hier, so vermuten Experten, verlief einst die ursprüngliche nördliche Küstenlinie der Insel – bevor der Vulkanismus alles neu ordnete.

Man hält inne, schaut zurück auf Las Lajares, nach vorne ins Ungewisse des Malpais – und spürt, wie weit man von der touristischen Alltagswelt entfernt ist.

Auf dem restaurierten Lehrpfad durch die Vulkanlandschaft

Ab hier beginnt der eigentliche Lehrpfad Sendero turistico, der in den vergangenen Jahren sorgfältig restauriert und mit Steinen eingefasst wurde. Er ist gut begehbar, auch wenn festes Schuhwerk unverzichtbar bleibt. Die Steine rahmen den Weg wie ein stilles Leitsystem durch die Wildnis, und langsam entfaltet sich das große Panorama der Vulkanlandschaft Fuerteventuras nach allen Seiten.

Man wandert durch eine Welt, in der das Wort „ursprünglich“ keine Floskel ist. Jeder Schritt führt tiefer in eine Stille, die nur vom Wind und dem gelegentlichen Schrei eines Vogels durchbrochen wird.

Calderón Hondo – Aussicht vom Kraterrand

Das erste große Ziel des Trekking-Abenteuers im Inselnorden ist der Vulkankrater Calderón Hondo, der sich auf 278 Metern über dem Meeresspiegel erhebt. Eine Aussichtsplattform am Kraterrand lädt zum Aufstieg ein – und belohnt mit einem atemberaubenden Blick hinab in den Schlund des erloschenen Vulkans und über die weitläufige Lavalandschaft ringsum.

Beim Abstieg passiert man eine kleine, restaurierte Steinbehausung – ein stilles Relikt der altkanarischen Bevölkerung, die einst in dieser kargen Gegend lebte. Ein Moment, in dem Geschichte greifbar wird.

Bayuyo – der zweite Gipfel mit Fernsicht

Weiter führt der Weg an skurrilen Vulkankegeln vorbei, deren eigenartige Silhouetten sich gegen den meist blaublauen Himmel abzeichnen. Ein Seitenweg rechts führt zum Aussichtskrater Bayuyo, der mit 269 Metern den Nordteil Fuerteventuras überragt.

Wer aufsteigt, wird mit einem Panorama belohnt, das sich tief ins Gedächtnis brennt: der Atlantik, die Sanddünen von Corralejo, die Nachbarinsel Lanzarote am Horizont. Die Wanderung Fuerteventura Norden offenbart hier ihre schönste Seite.

Ankunft in Corralejo – Ausklang an der Küste

Der Endpunkt der Route ist Corralejo, eine lebhafte Küstenstadt mit zahlreichen Restaurants und Cafés. Nach rund 10 Kilometern Wegstrecke, etwa 300 Höhenmetern Anstieg und einer Laufzeit von circa 4 Stunden darf man sich hier getrost niederlassen, das Meer betrachten und den Tag in einem gemütlichen Lokal ausklingen lassen. Corralejo bietet zudem Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Busanbindung zurück zum Ausgangspunkt.

Tourinfos auf einen Blick

Ausgangspunkt Las Lajares
Endpunkt Corralejo
Schwierigkeitsgrad Mittel
Streckenlänge ca. 10 km
Laufzeit ca. 4 Stunden (Vollroute)
Höhenmeter 300 m Anstieg / 400 m gesamt
Anreise Auto (FV-1 → FV-102 → FV-10) oder Buslinie 8

Tipp: Variation und Mountainbike

Wer weniger Zeit mitbringt, kann die Calderatour auch ohne die Gipfelbesteigungen von Calderón Hondo und Bayuyo absolvieren – die Laufzeit reduziert sich dann auf rund 3 Stunden. Sportlich Ambitionierte können die Route zudem bestens mit dem Mountainbike bewältigen: Der restaurierte Pfad bietet auch auf zwei Rädern ein unvergessliches Erlebnis in der Vulkanlandschaft des Inselnordens.

Wer einmal durch das Malpais Caldera Encantada gewandert ist, trägt ein Stück Fuerteventura mit sich – rau, still und von unvergänglicher Schönheit.