Tauchen auf Fuerteventura – Wo das Meer seine Geheimnisse preisgibt

Es gibt Momente, in denen man den Atem anhält – nicht aus Angst, sondern aus purer Ehrfurcht. Wenn man an der Oberfläche kippt und die ersten Meter in die Tiefe gleitet, öffnet sich unter Fuerteventura eine Welt, die man so nicht erwartet hätte. Das Licht bricht sich in Säulen. Vor einem ragen dunkle Lavafelsen auf, als hätte sie das Meer selbst gegossen. Und irgendwo zwischen Überhängen und Höhlen bewegt sich ein Engelhai lautlos über den Sand.

Tauchen auf Fuerteventura gehört zu den eindrucksvollsten Unterwassererlebnissen der Kanarischen Inseln – und das nicht ohne Grund.

Warum Fuerteventura ein außergewöhnliches Tauchrevier ist

Die Insel verdankt ihre faszinierende Unterwasserwelt ihrer vulkanischen Vergangenheit. Erstarrte Lavaströme haben bizarre Formen hinterlassen: Bögen, Kanäle, Überhänge, Höhlen. Dazwischen erstrecken sich Sandflächen, in denen Rochen reglos ruhen, während Schwärme von Brassen träge durch das blaue Wasser ziehen.

Was das Tauchen auf den Kanarischen Inseln besonders attraktiv macht, ist die Sicht. Oft sind es 30 Meter und mehr, durch die man blicken kann – eine Klarheit, die man als Taucher nicht überall findet. Hinzu kommen angenehme Wassertemperaturen zwischen 18 und 24 Grad Celsius das ganze Jahr über, sodass jede Jahreszeit zum Tauchen einlädt. Im Winter trägt man einen 7-mm-Anzug, im Spätsommer reicht ein dünner 3-mm-Neopren.

Kurz gesagt: Die Rahmenbedingungen für das Tauchen auf Fuerteventura sind nahezu ideal.

Die besten Tauchspots auf Fuerteventura

El Río – Die Meerenge im Norden

Zwischen Corralejo und der vorgelagerten Isla de Lobos liegt einer der bekanntesten Tauchplätze der Insel: die Meerenge El Río. Auf etwa 15 Metern Tiefe ragen vulkanische Felsformationen wie riesige Pilze aus dem Sandboden. Der Spot Bajón del Río ist das eigentliche Herzstück dieser Unterwasserlandschaft – ein Refugium für Goldbrassen, Barrakudas und Rochen, die in ruhigen Schwärmen durch das klare Wasser gleiten.

Wer in Corralejo tauchen möchte, findet hier einen Spot, der für nahezu jedes Erfahrungsniveau geeignet ist. Die moderate Tiefe macht ihn zugänglich, die Artenvielfalt macht ihn unvergesslich.

Caleta de Fuste – Tauchen für Anfänger und Fortgeschrittene

An der Ostküste der Insel liegt Caleta de Fuste, ein Reiseziel, das gerne unterschätzt wird. Dabei bietet es in Küstennähe Riffe, an denen Muränen zwischen Felsspalten lauern und große Fischschwärme die Orientierung nehmen. Die ruhigen Strömungsverhältnisse machen diesen Bereich ideal für Einsteiger ins Tauchen auf Fuerteventura.

Auch wer seinen ersten Tauchkurs auf Fuerteventura absolvieren möchte, ist hier gut aufgehoben – mehrere professionelle Tauchschulen haben in Caleta de Fuste ihren Stammsitz.

Jandía & Morro Jable – Die großen Riffe im Süden

Der Süden Fuerteventuras ist das Reich der erfahrenen Taucher. Wer hier ins Wasser gleitet, taucht in eine andere Dimension ein. An Orten wie El Faro beobachtet man Engelshaie, die reglos auf dem Sand ruhen, und Rochen, die sich kaum vom Meeresgrund unterscheiden lassen.

Das Wahrzeichen der südlichen Tauchgebiete sind jedoch die berühmten Muränenriffe:

El Veril Grande – Das große Muränenriff: Vor dem Leuchtturm von Jandía beginnt eine Steilwand auf 20 Metern, die sich bis auf 40 Meter Tiefe absenkt. Die Wand ist bewachsen, lebendig, überraschend. Muränen strecken ihre Köpfe aus Spalten. Engelshaie liegen tief unten auf dem Sand. Es ist ein Tauchgang, den man nicht vergisst.

El Veril Chico – Das kleine Muränenriff: Etwa 200 Meter südlich liegt sein kleinerer Bruder. Schon ab 8 Metern entfaltet sich hier eine erstaunliche Artenvielfalt, doch auch dieser Spot reicht bis auf 40 Meter hinab. Ideal für alle, die Muränen auf Fuerteventura in ihrer natürlichen Umgebung erleben möchten.

Da beide Riffe die 30-Meter-Grenze deutlich überschreiten, sind sie klassische Ziele für fortgeschrittene Taucher – empfohlen wird mindestens ein PADI Advanced Open Water oder die SSI Deep Diving-Zertifizierung.

El Jablito – Nachttauchen an der Ostküste

Wer das Meer von seiner ruhigsten Seite kennenlernen möchte, fährt zum geschützten Spot El Jablito. Besonders für Nachttauchgänge auf Fuerteventura eignet sich dieser Platz hervorragend – wenn das Licht der Taschenlampe durch das schwarze Wasser schneidet und plötzlich Farben zum Vorschein kommen, die das Tageslicht verschluckt hätte.

Was man unter Wasser begegnet

Die Unterwasserwelt Fuerteventuras ist reich und vielfältig. Zu den häufigsten und beeindruckendsten Begegnungen gehören:

  • Engelshaie – vor allem in den Wintermonaten, ruhend auf Sandflächen im Süden
  • Muränen & Barrakudas – Stammgäste der Felsspalten und Riffe
  • Rochen & Kugelfische – häufig im sandigen Bereich vor Morro Jable
  • Zackenbarsche – oft in der Tiefe der südlichen Spots zu finden
  • Goldbrassen & Fischschwärme – allgegenwärtig, besonders im Norden

Tauchschulen auf Fuerteventura – Wo man gut aufgehoben ist

Tauchschulen auf Fuerteventura findet man fast überall, insbesondere in den touristischen Zentren Corralejo, Caleta de Fuste, Las Playitas und auf der Halbinsel Jandía. Viele Tauchbasen im Süden sind an Hotels angeschlossen, sind aber in der Regel auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich – sei es für einen Schnupperkurs, den Verleih von Tauchausrüstung oder einen geführten Tauchgang.

Tauchschule Standort Besonderheit Kontakt
Deep Blue Diving Caleta de Fuste Die größte Tauchbasis im Osten der Insel – professionell, ideal für Einsteigerkurse, oft mit kostenlosem Transfer aus umliegenden Gebieten. +34 928 16 37 12 · WhatsApp: +34 606 27 54 68
Fuerteventura Buceo Morro Jable PADI 5-Sterne Center mit eigenem großen Tauchboot – perfekt für geführte Ausfahrten in den Süden. +34 928 54 14 18 · WhatsApp: +34 622 19 66 10
Fuerteventura Diving Esquinzo SSI-Training und deutschsprachige Betreuung – ideal für deutschsprachige Gäste. Buchung & Abholzeiten bequem per WhatsApp. +34 635 85 85 33 (Tel & WhatsApp)
Dive Pro Fuerte Costa Calma Kleine Gruppen, entspannte Atmosphäre. Schnelle Buchung und Koordination direkt per WhatsApp bevorzugt. +34 682 29 18 49 (WhatsApp bevorzugt)

Tauchschein & Attest – Was man wissen muss

Seit Juli 2020 gilt in Spanien – und damit auch auf Fuerteventura – eine neue Regelung (königliches Dekret BOE-A-2020-6494): Ein ärztliches Attest ist nicht mehr für jeden Taucher verpflichtend. Wer bei der Tauchbasis einen standardisierten medizinischen Fragebogen vollständig mit „Nein“ beantworten kann, darf ohne Attest tauchen.

Wer hingegen eine der Fragen – etwa zu Asthma, Herzproblemen oder anderen Vorerkrankungen – mit „Ja“ beantworten muss, benötigt zwingend ein ärztliches Attest.

Warum ein Attest trotzdem sinnvoll bleibt:

Auch wenn die gesetzliche Pflicht für viele entfallen ist, empfehlen Organisationen wie der VDST nach wie vor eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung (GTÜM) beim Hausarzt oder einem Taucharzt vor Reiseantritt. Ein Taucharzt prüft Druckausgleich und Lungenfunktion gründlicher, manche Tauchbasen verlangen das Attest aus Versicherungsgründen – und vor Ort nach einem Arzt zu suchen, kostet wertvolle Urlaubszeit.

Wer kerngesund ist, kommt mit der Selbsterklärung aus. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, lässt sich vorab untersuchen.

Fazit: Tauchen auf Fuerteventura ist ein Erlebnis für alle

Ob man das erste Mal unter Wasser atmet oder schon hundert Tauchgänge im Logbuch hat – Fuerteventura hat für jeden etwas zu bieten. Die Spots reichen von ruhigen, flachen Einsteigerbereichen bis zu anspruchsvollen Steilwänden in 40 Metern Tiefe. Die Unterwasserwelt ist lebendig, abwechslungsreich und von einer Schönheit, die man am besten selbst erlebt.

Man muss es einfach gesehen haben – diesen Engelhai, der reglos auf dem weißen Sand liegt, während das Licht von oben in langen Bahnen bis auf den Grund fällt.