Calima – Wenn die Sahara die Kanaren verschluckt

Was ist der Calima?

Man spürt ihn, bevor man ihn sieht: Die Luft wird schwerer, der Horizont löst sich in ein fahles Orangebraun auf, und der Wind trägt einen feinen, alles durchdringenden Staub mit sich – willkommen im Calima. Dieses markante Wetterphänomen auf den Kanarischen Inseln hat seinen Ursprung tief in der afrikanischen Sahara. Ein großflächiger Sandsturm, der über den Atlantik zieht und innerhalb kürzester Zeit das Klima auf Inseln wie Fuerteventura, Lanzarote oder Gran Canaria auf den Kopf stellt.

Wie lange dauert ein Calima?

Der Calima-Sandsturm ist kein flüchtiges Gewitter, das sich schnell wieder verzieht. Die Wetterlage kann mehrere Tage anhalten und verwandelt das sonst so angenehme Inselklima in eine staubige, heiße und extrem trockene Atmosphäre. Die Sichtweite sinkt mitunter drastisch, die Temperaturen steigen ungewöhnlich stark an – und die Luft, die man atmet, ist alles andere als gewöhnliche Meeresluft.

In der Regel kündigen Fernsehen und Radio den Sahara-Sandsturm rechtzeitig an. Doch der Calima kann auch plötzlich aufziehen – wer auf Fuerteventura unterwegs ist, sollte ihn stets im Hinterkopf behalten.

Sicherheitshinweise beim Calima: Was man wissen sollte

Drinnen bleiben – so weit wie möglich

Wenn der Calima wütet, ist das Innere der eigenen Unterkunft der sicherste Ort. Man sollte Fenster und Türen geschlossen halten, um den feinen Wüstenstaub draußen zu lassen. Wer unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD leidet, tut gut daran, sich konsequent in geschlossenen Räumen aufzuhalten und notwendige Medikamente griffbereit zu haben.

Viel trinken – der Körper dehydriert schnell

Die trockene Wüstenluft zieht dem Körper unmerklich die Feuchtigkeit. Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen – am besten Wasser – ist während eines Calimas keine Empfehlung, sondern eine echte Notwendigkeit. Dehydrierung tritt schneller ein, als man glaubt.

Kein Feuer – eine unterschätzte Gefahr

In der trockenen, staubbeladenen Luft des Calimas entwickelt sich offenes Feuer zum ernsthaften Risiko. Das Entzünden von offenem Feuer ist während dieser Wetterlage strikt zu vermeiden. Verantwortungsvoller Umgang mit Feuer jeder Art versteht sich dabei von selbst.

Sport und körperliche Aktivität pausieren

Joggen, Radfahren, Wandern – all das sollte man während eines aktiven Calimas konsequent unterlassen. Die feinen Staubpartikel in der Atemluft belasten die Lunge erheblich und können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Mit dem Auto unterwegs: Licht an, Tempo raus

Wer dennoch fahren muss, passt die Geschwindigkeit den eingeschränkten Sichtverhältnissen an und schaltet das Fahrlicht ein. Defensive Fahrweise ist bei Calima-Bedingungen keine Vorsicht – sie ist Pflicht.

Bei starken Beschwerden: Notruf wählen

Treten unerklärliche oder intensive Gesundheitsbeschwerden auf, zögert man nicht und ruft den örtlichen Notruf an. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Fuerteventura respektvoll erleben: Naturschutz und Wanderhinweise

Abseits des Calimas wartet Fuerteventura mit einer Landschaft auf, die ihresgleichen sucht: weitläufige Dünen, zerklüftete Vulkanformationen, eine fast unwirkliche Stille in den Naturschutzgebieten. Um diese einzigartige Naturlandschaft Fuerteventuras zu erhalten, braucht es vor allem eines – Respekt.

Naturschutzgebiete: Regeln ernst nehmen

Besonders innerhalb der Naturschutzgebiete der Kanaren gelten strenge ökologische Vorschriften. Wer dagegen verstößt, riskiert empfindliche Bußgelder. Die Natur hier ist fragil, und jeder Besucher trägt Mitverantwortung.

Wanderwege: markierte Routen nicht verlassen

Wer zu Fuß die Insel erkundet, hält sich an die ausgeschilderten Wanderrouten und informiert sich vorab in den lokalen Informationszentren über den aktuellen Zustand der Wege. Das gilt besonders nach Wetterphänomenen wie dem Calima, der Wege und Orientierungspunkte verändern kann.

Alleine unterwegs? Lieber nicht

Ob Wanderung, Radtour oder Ausfahrt mit dem Auto – in abgelegene Gebiete sollte man grundsätzlich nicht alleine aufbrechen. Eine Begleitperson kann im Ernstfall entscheidend sein.

Fuerteventura ist eine Insel voller Extreme – und der Calima ist eines ihrer eindrucksvollsten. Wer ihn kennt, ihm mit Respekt begegnet und die richtigen Vorkehrungen trifft, kann ihn als das erleben, was er letztlich auch ist: ein Naturschauspiel von archaischer Wucht.