Fauna Fuerteventura: Das erwartet einen in der Wildnis der Insel
Man steht auf einem Lavakamm, der Wind zieht warm übers Gesicht – und plötzlich huscht etwas über den Stein. Blitzschnell. Lautlos. Perfekt getarnt. Willkommen in der Wildnis Fuerteventuras. Die Insel gilt als karg, als leer. Aber wer genau hinschaut, erlebt echte Natur – ungeschönt, überraschend und manchmal atemberaubend.
Landtiere: Wenige, aber mit Charakter
Große Wildtiere? Fehlanzeige. Stattdessen hat Fuerteventura seine eigenen Stars: Kaninchen, Igel, Fledermäuse und die quirligen nordafrikanischen Erdhörnchen, die wie aufgezogene Spielzeuge zwischen den Steinen flitzen. Das ikonischste Tier der Insel bleibt das Dromedar – einst Arbeitstier, heute fotogener Reisebegleiter.
Und dann sind da die 40.000 frei lebenden Ziegen. Laut, neugierig, unbekümmert – und für das karge Ökosystem der Insel eine echte Herausforderung.
Reptilien: Kleine Kerle, große Coolness
Die Haria-Eidechse (Gallotia atlantica) ist überall: auf den Dünen, den Lavakämmen, in den Felsspalten. Bis zu 25 Zentimeter groß, mit einem Farbwechsel vom hellen Sandton der Jugend zum dunklen Erwachsenenkleid. Noch cleverer agiert der Gecko – gerade mal 8 Zentimeter, meisterhaft getarnt und bereit, im Zweifel einfach den Schwanz abzuwerfen. Survival-Modus auf höchstem Niveau.
Dazu gesellt sich der kaum bekannte Ostkanarenskink – bis zu 25 Zentimeter lang, versteckt in felsigen, feuchten Nischen. Ein Reptil für echte Entdecker.
Vogelwelt: Über 50 Arten – und ständig Bewegung
Vögel auf Fuerteventura beobachten ist wie ein Live-Stream, der nie pausiert. Über 50 Arten bevölkern die Kanaren, und mit den Jahreszeiten wechselt das Line-up: Zugvögel kommen und gehen, die Halbwüste zieht dabei echte Raritäten an.
Der Rennvogel (Cursorius cursor) ist der Ninja unter den Wüstenvögeln – sandfarbenes Gefieder, bei Gefahr flach an den Boden gedrückt, praktisch unsichtbar. Das Sandflughuhn dagegen fällt auf: gelbe Flügel, schwarzer Bauch, 35 Zentimeter pure Wüstenästhetik.
Bedrohte Arten: Jetzt sehen, bevor sie verschwinden
Zwei Namen sollte man kennen: die Fuerteventura-Kragentrappe und der Kanarenschmätzer. Beide sind vom Aussterben bedroht. Den Kanarenschmätzer gibt es nur noch hier – auf Lanzarote ist er bereits Geschichte. Nur wenige hundert Exemplare halten sich noch im Gebüsch auf.
Die Kragentrappe zeigt sich am ehesten in den Abendstunden, in den Bergen zwischen La Oliva und Lajares. Wer sie sieht, hat echtes Glück – und einen Moment, den man so schnell nicht vergisst.
Kanarengirlitz & Wiedehopf: Die Instagramwürdigen
Der Kanarengirlitz (Serinus canaria) ist die Ur-Version des Kanarienvogels – grünliches Federkleid, gelb-schwarz gesprenkelt, ein echter Hingucker. Noch mehr Wow-Faktor hat der Wiedehopf: orange-bräunliches Gefieder, schwarz-weiße Schwingen und eine spektakuläre Federhaube, die er aufstellen kann wie ein Rockstar seinen Kamm. Dazu kommt der Fischadler – weißer Kopf, schwarzer Streif, Sturzflug ins Wasser. Natur pur, kein Filter nötig.
Unterwasserwelt: Hier wird’s richtig wild
550 Arten. Fünfhundertfünfzig. Die Unterwasserwelt der Kanaren ist ein eigenes Universum. Der Papageienfisch mit seinem unverwechselbaren Schnabel. Der gewaltige Mantarochen – bis zu 7 Meter Spannweite – zieht lautlos vorbei wie ein Schatten aus einer anderen Welt. Und dann der Stachelrochen: 2 Meter, Giftstachel mit Widerhaken. Schön. Aber Abstand halten.
Wale & Delfine: Whale Watching
Delfine vor Fuerteventura sind keine Seltenheit – in Gruppen von bis zu 50 Tieren jagen und spielen sie im Atlantik. Aber der eigentliche Headliner kommt im Oktober: der Pottwal. Bis zu 20 Meter lang und bis zu 60 Tonnen schwer. Ein Tier, das alles relativiert.
Ebenfalls unterwegs: der Grindwal – 6,3 Meter, 3 Tonnen, und wegen seiner kurzen Tauchzeiten von nur 10 Minuten ideal zu beobachten. Whale Watching auf den Kanaren steht aus gutem Grund auf jeder Bucket List.
Fazit: Fuerteventura ist wilder, als man denkt
Die Fauna Fuerteventuras ist kein Museum. Sie ist lebendig, überraschend und – mit etwas Geduld – absolut unvergesslich. Ob auf dem Lavakamm, im Busch oder tief unter Wasser: Diese Insel zeigt sich nur dem, der wirklich hinschaut. Und wer das einmal getan hat, sieht Fuerteventura nie wieder mit denselben Augen.
