Oasis Wildlife Fuerteventura – Wo die Wüste lebt
Es beginnt mit einem Kontrast, der einem fast den Atem verschlägt. Man fährt durch die karge, sonnenverbrannte Landschaft des Südens von Fuerteventura, vorbei an ockergelben Vulkanhügeln und trockenen Lavasteinfeldern – und dann taucht er auf: ein Band aus sattem Grün, so unerwartet wie eine Vision. Der Oasis Wildlife Fuerteventura, ehemals bekannt als Oasis Park Fuerteventura oder La Lajita Oasis Park, liegt bei La Lajita, rund 30 Kilometer nördlich von Morro Jable, und ist einer der beeindruckendsten Natur- und Tierparks ganz Europas. Auf mehr als 800.000 Quadratmetern vereint er einen weitläufigen Botanischen Garten mit einem zoologischen Erlebnis der Extraklasse – und das mitten in einer der trockensten Wüstenlandschaften Europas.
Wer hierherkommt, kommt nicht einfach „in den Zoo“. Man betritt eine andere Welt.
Der einzige Zoo auf den Kanaren mit Elefanten und Nilpferden
Man nennt ihn den größten Tierpark auf den Kanaren – und das ist keine Übertreibung. Rund 3.000 Tiere aus über 250 Arten leben im Oasis Wildlife Fuerteventura, darunter Vertreter aller Kontinente. Was den Park aber wirklich einzigartig macht: Er ist der einzige Zoo auf den Kanaren, der afrikanische Elefanten und Nilpferde zeigt.
Das Herzstück des Tierparks ist das Große Afrikanische Tal – eine weitläufige Savannenlandschaft, in der Zebras, Giraffen, Antilopen und Gnus so frei wirken, als hätte man einfach ein Stück der Serengeti hierherversetzt. Das Gnu etwa – von Einheimischen bisweilen als „Clown der Prärie“ bezeichnet – stakst mit seinem eigentümlichen Körper durch das rote Erd, als wäre es aus lauter Ersatzteilen zusammengesetzt: Kopf vom Ochsen, Körper vom Pferd, Schwanz vom Esel. Man kann nicht anders, als zu lachen.
Über allem ragt die Giraffe hinaus. Und wer möchte, kann ihr buchstäblich in die Augen sehen: Auf einer fünf Meter hohen Plattform steht man auf Augenhöhe mit diesen sanften Riesen. Wer an der Kasse eine Futtertüte (ca. 2,00 €) kauft, darf sie aus der Hand füttern – und erlebt dabei die unglaublich langen, tiefblauen Zungen, die behutsam die Leckereien greifen. Ein Moment, den man so schnell nicht vergisst.
Weiter durch den Park begegnet man Geparden, Gorillas, Schimpansen und Lemuren, Flamingos, Marabus und Ibissen, Galapagos-Riesenschildkröten und Pythons. Der Reptilienbereich mit seinen fast regungslosen Krokodilen und Schlangen zieht genauso in den Bann wie die bunten Aras in den großzügig angelegten Freiflugvolieren. Man merkt bei jedem Schritt: Hier wurde die Gestaltung der Gehege mit großem Respekt vor den Bedürfnissen der Tiere vorgenommen.
Das größte Kamelreservat Europas
Fuerteventura und das Kamel – das ist eine alte Geschichte. Jahrhundertelang waren die Dromedare auf der Insel unverzichtbare Arbeitstiere. Die einheimische Rasse, das Kanarische Kamel (Camello Canario), war Anfang des 20. Jahrhunderts fast verschwunden. Der Oasis Wildlife Fuerteventura hat sich ihrer Rettung verschrieben – und mit Erfolg: Heute beheimatet das Kamelreservat des Parks rund 450 Tiere auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern. Es ist damit das größte Kamelreservat Europas.
Kamel-Safari: Auf dem Rücken der Geschichte
Wer noch tiefer in diese Verbindung eintauchen möchte, bucht eine der begehrten Kamel-Safaris im Oasis Wildlife. Es gibt zwei Varianten:
Je zwei Personen reiten in speziellen Seitensätteln; das Personal achtet penibel auf die Gewichtsverteilung (Maximalgewicht: ca. 110–120 kg pro Person). Die Kamelritte kosten rund 15–20 € pro Person zusätzlich zum Eintritt, für Kinder (4–11 Jahre) gibt es ermäßigte Tarife. Kombi-Tickets ab der Kasse lohnen sich. Wichtig: Plätze unbedingt direkt nach der Ankunft am Safari-Schalter reservieren – sie sind heiß begehrt.
Ein Hinweis für Menschen mit Rücken- oder Nackenproblemen sowie für Schwangere: Das abrupte Aufstehen und Hinlegen des Kamels ist körperlich spürbar und sollte bedacht werden.
Der Botanische Garten – ein Dschungel in der Wüste
Im Jahr 2000 öffnete der Jardín Botánico des Oasis Parks seine Tore – und seither gilt er als einer der größten Botanischen Gärten Europas mit einer Fläche von rund 150.000 Quadratmetern. Er liegt westlich des Tierparks am Hang und ist über den kostenlosen Jungle-Bus bequem erreichbar.
Wer den Bus nimmt und oben aussteigt, taucht in eine andere Stille ein. Hier oben sind es nicht die Laute der Tiere, die dominieren – es ist das Schweigen der Pflanzen, ihre ungeheure geometrische Vielfalt, ihr trotziges Wachstum in einem Klima, das Leben eigentlich verbieten sollte.
Die größte Kakteen-Sammlung Europas
Das Herzstück ist das Cactarium – und es beherbergt nichts Geringeres als die größte Kakteensammlung Europas: 28.000 Exemplare aus 2.300 Arten, von winzigen Kugelkakteen bis hin zu meterhohen Säulenkakteen, die wie aufgerichtete Wächter in den stahlblauen Himmel ragen. Einige erreichen bereits vier Meter Höhe. Zur Erinnerung: Der Kaktus ist keine einheimische Fuerteventura-Pflanze – er kommt aus Südamerika. Und dennoch gedeiht er hier so selbstverständlich, als wäre er nie woanders gewesen.
Palmenhain und endemische Flora
Gleich daneben erstreckt sich das Palmetum – ein Hain aus rund 8.000 Exemplaren der kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis) und weiteren 7.000 Palmen aus 80 verschiedenen Arten. Tropische Bäume, Sukkulenten aus aller Welt, einheimische Fuerteventura-Pflanzen, die perfekt an Trockenheit angepasst sind – der Garten erzählt auf jeder Etappe eine andere Geschichte.
Von den Aussichtspunkten im oberen Bereich blickt man weit über den gesamten Park, über das türkisfarbene Band des Atlantiks und die Küstenlinie bei La Lajita. Es ist ein Moment, in dem die Größe des Ganzen erst wirklich greifbar wird.
Tipp: Im Kaktusbereich gibt es kaum Schatten. Wer fotografieren möchte – die geometrischen Formen der Kakteen gegen den weißen Himmel sind ein Klassiker – sollte früh morgens oder in der goldenen Stunde kommen. Wer einfach spazieren möchte: mindestens 1 bis 1,5 Stunden für den botanischen Teil einplanen.
Die Shows – Theaternatur im freien Park
Wer den Oasis Wildlife Fuerteventura besucht, erlebt keine statischen Ausstellungen. Der Park versteht sich auch als Bühne – und das täglich, nach Fahrplan.
Show-Zeiten 2026 (im Überblick):
| Uhrzeit | Show | Ort |
|---|---|---|
| 11:00 Uhr | Papageien-Show | Teatro de Papagayos |
| 11:45 Uhr | Seelöwen-Show | Sea Lion Pool |
| 12:45 Uhr | Greifvogel-Show | Greifvogel-Arena |
| 13:30 Uhr | Reptilien-Show | Reptilarium |
| 14:30 Uhr | Papageien-Show (2. Termin) | Teatro de Papagayos |
| 15:15 Uhr | Seelöwen-Show (2. Termin) | Sea Lion Pool |
| 16:00 Uhr | Greifvogel-Show (2. Termin) | Greifvogel-Arena |
Alle Shows sind im Eintrittspreis enthalten und so getaktet, dass man bequem von einer zur nächsten spazieren kann.
Die Greifvogel-Show ist unter Besuchern besonders beliebt: Die Vögel fliegen in einem Aktionsradius von bis zu vier Kilometern – ein atemberaubendes Bild. Die Seelöwen-Show beeindruckt durch die enge Mensch-Tier-Verbindung, die Trainer und Tiere in Jahren aufgebaut haben. Und die Papageien-Show ist ein Fest für Kinder wie für Erwachsene.
Wer es intensiver möchte: Die Lemur Experience (ca. 18 €) ermöglicht direkte Begegnungen mit den verspielten Ringelschwanzmakis – Plätze sind streng limitiert und sollten direkt morgens am Eingang gebucht werden.
Essen, Rasten, Entdecken – der Alltag im Park
Ein ganzer Tag im Oasis Wildlife Fuerteventura ist ein Marathon – ein wunderbarer. Drei Restaurants sorgen für Stärkung:
Schließfächer sind im Eingangsbereich verfügbar (ca. 2–5 € pro Tag plus Pfand). Besonders für die Kamelritte empfiehlt es sich, sperrige Rucksäcke dort einzuschließen.
Ein kostenloser Shuttle-Service verbindet nahezu alle großen Hotels in Corralejo, Caleta de Fuste, Costa Calma und Jandia mit dem Park. Die Buskosten sind in den Tarifen „Básico“ und „Completo“ bereits enthalten.
Der Park ist mit dem PKW über die FV-2 in südlicher Richtung ab Puerto del Rosario erreichbar – nach rund 60 Kilometern weist ein unübersehbares, buntes Schild den Weg nach La Lajita.
Eintrittspreise 2026 – was ein Besuch kostet
| Kategorie | Preis |
|---|---|
| Erwachsene (12–59 Jahre) | ca. 41,50 € |
| Kinder (4–11 Jahre) | ca. 27,50 € |
| Senioren (ab 60 Jahren) | ca. 38,00 € |
| Babys (0–3 Jahre) | kostenlos |
| Kombi-Ticket (Eintritt + Kamelritt) | ab ca. 59,50 € |
| Kamelritt allein | ca. 15–20 € |
| Lemur/Seelöwen-Interaktion | ca. 18–45 € |
| Shuttle-Transfer (Süden/Norden) | ca. 6,50 / 9,50 € |
Online-Buchung über Portale wie GetYourGuide bietet oft leichte Preisnachteile oder „Skip-the-line“-Optionen an.
Sonntagstipp: Jeden Sonntag findet von 9:00 bis 14:00 Uhr direkt am Parkeingang der Agrar- und Kunsthandwerksmarkt (Mercadillo / Mercado Agro-Artesanal) statt – kostenlos, charmant und mit lokalen Produkten aus dem Süden Fuerteventuras bestückt. Ein perfekter Einstieg in den Parktag.
Kontakt & praktische Informationen
Oasis Wildlife Fuerteventura Adresse: Museo del Campo – Ctra. Gral. Jandía, s/n, 35627 La Lajita, Pájara Telefon: +34 928 16 11 02 E-Mail: reservas@oasiswildlife.com Website: www.oasiswildlifefuerteventura.com Öffnungszeiten: täglich 9:00 – 18:00 Uhr
WhatsApp-Service für schnelle Fragen:
Der Park ist auch via WhatsApp für Rückfragen zu Tickets erreichbar: +34 672 26 27 50.
Ein Ort, der sich ins Gedächtnis brennt
Man verlässt den Oasis Wildlife Fuerteventura anders, als man ihn betreten hat. Staubiger vielleicht, etwas sonnenmüde, die Füße gespürt vom langen Weg. Aber auch erfüllt – von Bildern, die lange nachwirken: die Giraffe, die einem aus großen Augen entgegensieht und behutsam aus der Hand frisst. Die Greifvögel, die in weitem Bogen über die Köpfe ziehen. Das Schweigen der Kakteen in der Mittagshitze. Und die Kamele, die in ruhigem Schritt die Hügel über dem Atlantik hinaufziehen, als hätten sie es nie anders gekannt.
Dieser Park ist mehr als eine Attraktion. Er ist ein Beweis dafür, dass Wildnis und Fürsorge keine Gegensätze sein müssen – und dass Fuerteventura mehr zu bieten hat als Strand und Wind.
