Cueva del Llano – Wo die Erde schweigt

Am nördlichen Rand von Villaverde, einem kleinen Ort wenige Kilometer nordöstlich von La Oliva, wartet eine der faszinierendsten Natursehenswürdigkeiten Fuerteventuras auf jene, die bereit sind, unter die Oberfläche zu steigen. Die Cueva del Llano – ein gewaltiger Vulkantunnel auf Fuerteventura – öffnet sich wie ein Atemzug aus dem Erdinneren: dunkel, still und unermesslich alt.

Ein Tunnel, Millionen Jahre in der Entstehung

Wer vor dem Informationszentrum Cueva del Llano steht, ahnt noch nicht, was sich darunter verbirgt. Das Höhlensystem erstreckt sich über rund 600 Meter, von denen 400 Meter für Besucher begehbar sind. Mit einer Breite von 7 bis 12 Metern und einer Höhe von 3 bis 5 Metern entfaltet der Tunnel eine Großzügigkeit, die man unter der kargen Oberfläche Fuerteventuras kaum erwartet hätte.

Die Entstehung der Lavahöhle reicht weit zurück: Geologen gehen davon aus, dass das Tunnelsystem viele Millionen Jahre alt ist – geformt durch einen Vulkanausbruch und die darauffolgende, jahrelange Erosion und Sedimentierung. Das exakte Alter lässt sich nicht bestimmen. Die Erde behält ihre Geheimnisse.

Vom Kamelgehege zur Kulturstätte

Dass der Mensch diesen unterirdischen Raum längst für sich entdeckt hatte, zeigen die Spuren der Vergangenheit: Die Höhle von Villaverde diente einst als Waffenlager und sogar als Gehege für Kamele. Mit der Zeit verfiel sie jedoch zunehmend – bis die Inselregierung eingriff, das Tunnelsystem restaurieren ließ und direkt davor ein Museum über Fuerteventuras Geologie errichtete. Im Februar 2006 wurde die Anlage schließlich offiziell eröffnet.

Das Museum: Vier Welten der Erkenntnis

Bevor man in die Tiefe hinabsteigt, lohnt sich ein Aufenthalt im Museumsgebäude. Hier bereitet das Centro de Interpretación die Besucher auf das Kommende vor – gegliedert in vier thematische Bereiche:

Geologische Geschichte Fuerteventuras

Vulkanismus und Entstehung von Lavahöhlen

Evolution der biologischen Vielfalt auf der Insel

Fauna des Tunnels

Besonders das letzte Kapitel hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Urzeitliches Leben im Dunkel

Tief im Inneren des Vulkantunnels Fuerteventura fanden Wissenschaftler bei Grabungsarbeiten Reste von Wirbeltieren und Schnecken, eingebettet in Steinablagerungen – geschätzte mehrere Tausend Jahre alt. Doch die eigentliche Entdeckung lauert noch immer dort: der Maiorerus randoi, ein spinnenartiges Tier, das sich vollständig an das unterirdische Leben angepasst hat.

Dieses kaum acht Millimeter kleine Wesen ist augenlos – die Evolution hat sie ihm genommen, denn im ewigen Dunkel sind Augen überflüssig. Die Farbe seines Körpers: ein blasses Gelb, als hätte das Licht ihn nie berührt. Ein endemisches Tier Fuerteventuras, das nirgendwo sonst auf der Welt existiert.

Hinabsteigen in die Stille

Gleich unterhalb des Museumsgebäudes öffnet sich geheimnisvoll der steinige Eingang zur Höhle. Man erhält einen Schutzhelm mit Lampe – und dann beginnt der Abstieg. Wenige Schritte genügen, und eine seltsame Stille setzt sich über alles wie ein unsichtbares Tuch. Die Dunkelheit ist vollständig, die Temperatur sinkt, die Außenwelt verblasst.

Die geführte Höhlenwanderung dauert etwa 45 Minuten und wird von fachkundigen Guides begleitet. Die Anlage ist barrierefrei zugänglich und kann auch mit dem Rollstuhl betreten werden. Wer Platzangst oder Angst vor der Dunkelheit hat, sollte vorab abwägen – die Enge mancher Abschnitte ist real, auch wenn die Höhle insgesamt großzügig bemessen ist.

Eventuell muss man eine kurze Wartezeit einplanen, bis sich genügend Personen für eine Besuchergruppe zusammengefunden haben.

Wichtiger Hinweis für deinen Besuch 2026

Wer die Cueva del Llano 2026 besuchen möchte, sollte vorab Bescheid wissen: Die eigentliche Lavahöhle ist derzeit gesperrt. Erdrutsche haben Sicherheitsmängel verursacht – Einsturzgefahr macht den Zugang zum Tunnelsystem unmöglich. Was bleibt, ist dennoch sehenswert: Das Besucherzentrum mit seiner informativen Ausstellung zur Geologie Fuerteventuras und zum endemischen blinden Spinnentier Maiorerus randoi kann weiterhin besichtigt werden.

Der Eintritt ins Centro de Interpretación ist aktuell meist kostenlos – früher lag er bei 5,00 €. Da die Hauptattraktion fehlt, wird für die verbleibende Ausstellung oft keine oder nur eine geringe Gebühr erhoben.

Wer hingegen eine begehbare Lavahöhle auf den Kanaren sucht, findet auf der Nachbarinsel Lanzarote mit der Cueva de los Verdes eine eindrucksvolle Alternative.

Praktische Informationen zur Cueva del Llano

Adresse: Carretera Villaverde, s/n, 35640 La Oliva Tel.: +34 928 85 89 98

Öffnungszeiten (Stand 2026): Dienstag bis Samstag: 10:00–15:00 Uhr Montag und Sonntag geschlossen Die Zeiten können schwanken – ein kurzer Anruf vor dem Besuch ist empfehlenswert.

Anfahrt zur Cueva del Llano: Von Puerto del Rosario über die FV-10 in Richtung La Oliva, dann weiter auf der FV-101 bis nach Villaverde. Am nördlichen Ortsausgang zweigt links ein ausgeschilderter Weg zur Museumsanlage ab. Parkplätze sind ausreichend vorhanden.

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