Wanderung Degollada de Cofete – Wo Fuerteventura noch wild und ursprünglich ist
Es gibt Orte auf Fuerteventura, die sich der Zeit entziehen. Orte, an denen man das Gefühl hat, die Insel atmet noch so wie vor Jahrhunderten – rau, still, unberührt. Einer dieser Orte ist die Degollada de Cofete, ein Gebirgspass im Jandía-Massiv im äußersten Süden der Insel. Wer diese Wanderung auf Fuerteventura unternimmt, kehrt nicht einfach nur von einer Wanderung zurück. Man kehrt verändert zurück.
Startpunkt: Das Wasserreservoir bei Morro Jable
Die Wanderung Degollada de Cofete beginnt an einem schlichten Parkplatz nahe des Wasserspeichers von Morro Jable, etwa fünf Kilometer westlich des gleichnamigen Ferienorts. Von hier führt ein staubiger Feldweg hinein in das Tal Gran Valle – und damit in eine Welt, die dem Alltag des Tourismus vollständig entrückt scheint.
Die Anreise erfolgt über die FV-2 ab Puerto del Rosario in Richtung Süden. Man passiert Caleta de Fuste, Tarajalejo und Costa Calma, bis man schließlich Morro Jable erreicht. Am Industriegebiet »Poligono Industrial Morro Jable« vorbei geht es weiter westwärts – bis zur Weggabelung mit dem kleinen Parkplatz.
Gran Valle: Die Einöde, die verzaubert
Kaum hat man den Feldweg betreten, öffnet sich das Tal Gran Valle wie eine andere Welt. Karge Berghänge rahmen den Blick ein, das Licht fällt hart auf helle Steine, und die Stille ist so vollständig, dass man das eigene Atmen hört. Zu den wenigen Pflanzen, die dieser Einöde trotzen, gehören Dornlattich, Bocksdorn und wilder Tabak – zähe Gewächse für ein zähes Land.
Vereinzelt stößt man auf die Jandía-Wolfsmilch (Euphorbia handiensis), eine vom Aussterben bedrohte Endemit dieser Region. Wer sie entdeckt, hält unwillkürlich inne.
Der Wanderweg im Jandía-Naturpark führt an einem alten verfallenen Hof vorbei, dann links hinunter in eine kümmerlich begrünte Senke. Verlassene Steinhütten und verwahrloste Gehege säumen den Pfad – stumme Zeugen einer anderen Zeit, als Menschen hier noch lebten und arbeiteten.
Der Aufstieg: Zwischen Schweigen und Weite
An einer Weggabelung verlässt man den Talweg und steigt rechts über ein wegloses Stück den Erdkamm hinauf. Es ist einer jener Momente, in denen eine Wanderung auf Fuerteventura ihren wahren Charakter offenbart: kein Komfort, kein Geländer, nur Stein, Wind und der eigene Rhythmus.
Oben angekommen, findet man einen kleinen Pfad, der zunächst wieder ins Tal hinabführt. Alte Schlauchleitungen, verwaschene Spuren und einzelne Steinskulpturen als Wegweiser begleiten den weiteren Verlauf. Dann steigt der schmale Steig in Kehrenform zur Passhöhe Degollada de Cofete an – auf 363 Meter über dem Meeresspiegel.
Flankiert wird der Pass von den Erhebungen Fraile (683 m) und Pico de La Zarca (807 m), den höchsten Gipfeln des Jandía-Massivs. Zwischen diesen mächtigen Gebirgswänden öffnet sich der Blick – und er ist atemberaubend.
Degollada de Cofete: Das Panorama als Belohnung
Wer auf der Passhöhe Degollada de Cofete ankommt, versteht sofort, warum dieser Ort so besonders ist. Der Blick schweift über die weite nördliche Küstenlinie Fuerteventuras, über leuchtend blaues Atlantikwasser und steile Berghänge. Es ist ein Panorama, das man nicht fotografieren kann – man muss es stehen, atmen, fühlen.
Bis in die 1960er Jahre war dieser Pass die einzige Verbindung zur abgeschiedenen Ortschaft Cofete und zur Nordküste – ein Umstand, der die Einsamkeit dieser Route noch greifbarer macht.
Rückweg und Einkehr in Morro Jable
Der Rückweg führt auf demselben Weg zurück zum Parkplatz. Was beim Aufstieg noch unbekanntes Terrain war, wirkt nun wie ein alter Bekannter – vertrauter, aber nicht weniger beeindruckend.
Im Ferienort Morro Jable laden zahlreiche Restaurants und Cafés zur Einkehr ein. Hier kann man die Eindrücke der Wanderung durch das Jandía-Gebirge in entspannter Atmosphäre sacken lassen – bei einem Kaffee oder einem Glas lokalen Weins.
Tourinfos auf einen Blick
| Ausgangs- & Endpunkt | Straßenabzweig Gran Valle, ~5 km westlich von Morro Jable |
| Strecke | ~8 Kilometer |
| Laufzeit | ~3 Stunden |
| Höhenunterschied | 300 Meter (Auf- & Abstieg) |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel |
| Einkehr | Keine auf der Route; viele Lokale in Morro Jable |
| Ausrüstung | Festes Schuhwerk, ausreichend Wasser & Proviant, ggf. Wanderstock |
Fazit: Eine der schönsten Wanderungen auf Fuerteventura
Die Wanderung zur Degollada de Cofete ist kein Spaziergang – und das ist gut so. Sie fordert, sie schweigt, sie überrascht. Für alle, die das ursprüngliche Fuerteventura jenseits von Strand und Pool erleben möchten, ist diese Wanderung im Jandía-Naturpark ein Pflichtprogramm. Denn hier zeigt die Insel ihr wahres Gesicht: rau, ehrlich, unvergesslich.
