Calderón Hondo – Wo Fuerteventura seinen Urgrund zeigt

Es gibt Orte auf Fuerteventura, die einem das Gefühl geben, die Insel in ihrer reinsten Form zu sehen – roh, uralt und von atemberaubender Stille. Der Aussichtspunkt Calderón Hondo im Norden der Insel ist einer dieser Orte. Wer ihn einmal besucht hat, trägt die Bilder dieser vulkanischen Landschaft Fuerteventuras lange mit sich.

Ein Kraterrand, der Geschichte atmet

Südwestlich von Corralejo, eingebettet in eine hügelige Vulkanlandschaft zwischen La Oliva und dem Hinterland der Dünenstadt, erhebt sich der Vulkankrater Calderón Hondo auf 278 Meter Höhe. Der Name klingt schon nach dem, was einen erwartet: ein tiefer Kessel, geformt von Kräften, die älter sind als jede menschliche Erinnerung.

Oben auf dem Kraterrand angekommen, öffnet sich eine gesicherte Aussichtsplattform – und mit ihr ein Blick in den rund 70 Meter tiefen Vulkanschlund. Man steht am Rand und schaut hinab in ein Schweigen, das sich wie Ehrfurcht anfühlt. Ringsherum erstreckt sich eine Lavalandschaft, die in ihrer Unwirtlichkeit fast surreal wirkt.

Wandern entlang der Vulkankette im Norden Fuerteventuras

Der Calderón Hondo ist kein isolierter Gipfel – er ist Teil einer beeindruckenden Vulkankette im Norden Fuerteventuras. Entlang dieser Kette verläuft ein Lehrpfad, der Wanderern nicht nur den Aufstieg zum Kraterrand ermöglicht, sondern auch skurrile Eindrücke einer fast außerirdischen Welt beschert.

Wandertouren zum Calderón Hondo lassen sich wunderbar von Corralejo oder dem kleinen Ort Lajares aus starten. Die Wege sind gut begehbar, und dank der moderaten Höhe ist der Aufstieg zum Vulkankrater auch für weniger geübte Wanderer problemlos zu bewältigen. Man braucht keine Bergstiefel – aber festes Schuhwerk und ausreichend Wasser sind Pflicht.

Leben in der Lava: Flechten als stille Überlebenskünstler

Was wächst dort, wo kaum etwas wachsen kann? In der kargen Vulkanlandschaft rund um den Calderón Hondo haben sich Flechten als Meister der Anpassung durchgesetzt. Die graue Vulkanflechte überzieht die dunklen Lavasteine wie ein zartes Muster aus einer anderen Welt. Leuchtend orange hebt sich die Wandflechte vom schwarzen Gestein ab – ein Farbkontrast, der in seiner Einfachheit schöner ist als manches Gemälde.

Diese Gewächse erinnern daran, dass Leben seinen Weg findet – überall und unter jeglichen Bedingungen. Ein kleines, aber berührendes Detail dieser Vulkanlandschaft auf Fuerteventura.

Anfahrt zum Calderón Hondo: So kommt man hin

Von Corralejo aus (empfohlener Ausgangspunkt)

Von Puerto del Rosario fährt man auf der FV-1 Richtung Norden bis nach Corralejo. Von dort startet man die Wanderung durch die Lavalandschaft in Richtung Calderón Hondo.

  • Strecke: ca. 27 km
  • Fahrzeit: ca. 30 Minuten

Von Lajares aus

Ebenfalls ab Puerto del Rosario auf der FV-1 Richtung Norden, nach ca. 9 km links auf die FV-102 in Richtung La Oliva, dann weiter auf der FV-10 nach Norden bis Lajares (rechts).

  • Strecke: ca. 27 km
  • Fahrzeit: ca. 37 Minuten

Fazit: Ein Pflichtbesuch für Natur- und Wanderfreunde

Der Calderón Hondo auf Fuerteventura ist kein Highlight für Strandliebhaber – er ist das Highlight für alle, die die Insel wirklich verstehen wollen. Wer die Vulkanlandschaft im Norden Fuerteventuras einmal aus der Vogelperspektive auf dem Kraterrand erlebt hat, der sieht die Insel danach mit anderen Augen: tiefer, uriger, echter.