Las Playitas – Wo die Zeit am Meer ihre Eile vergisst

Es gibt Orte auf Fuerteventura, die man nicht sucht – und die man deshalb umso tiefer im Herzen trägt. Las Playitas ist so ein Ort. »Die Strändchen«, wie der Name auf Deutsch verrät, schmiegen sich an die Ostküste Fuerteventuras, etwa fünf Kilometer östlich von Gran Tarajal, und empfangen den Besucher mit einer Stille, die in Zeiten des Massentourismus fast kostbar geworden ist.

Wer über die FV-4 von Gran Tarajal kommt und kurz hinter dem Ort rechts auf die FV-512 abbiegt, der merkt bald: hier endet die große Welt, und eine kleinere, schönere beginnt.

Ein Dorf wie ein Aquarell

Das erste Bild, das sich einem beim Eintreffen in Las Playitas einbrennt, ist das der verschachtelten weißen Fischerhäuser. Die Häuschen klettern die steilen Berghänge hinauf wie hingetupfte Farbflecken – pittoresk, ein wenig ungeordnet, und gerade deshalb vollkommen. Ihre weiß getünchten Fassaden bilden einen faszinierenden Kontrast zum dunklen Sandstrand, der sich unten am Wasser entlangzieht.

Das Küstendorf Las Playitas zählte 2023 rund 713 Einwohner und gehört verwaltungstechnisch zur Gemeinde Tuineje im Süden der Insel. Klein also, überschaubar – und doch voller Leben, wenn man genau hinschaut.

Der Strand: Dunkel, ruhig, besonders

Der Strand Las Playitas ist kein Strand für die große Bühne. Er glänzt nicht mit weißem Pudersand wie die touristischen Strände im Norden der Insel. Stattdessen wartet er mit dunklen Steinen, feinem Vulkansand und einer ruhigen, beschützten Atmosphäre auf. Starke Brandung ist hier die Ausnahme – das Meer zeigt sich zahm, fast sanftmütig. Wer sich also nach einem ruhigen Badestrand auf Fuerteventura sehnt, abseits von Sonnenschirmen in Reih und Glied, der ist hier genau richtig.

Die dunkle Farbe des Strandes mag auf den ersten Blick ungewohnt wirken – doch wer sich einmal auf dem warmen Vulkansand niedergelassen und dem leisen Rauschen des Atlantiks gelauscht hat, versteht schnell den eigentümlichen Reiz dieses Ortes.

Zwischen alten Fischerbooten und neuen Träumen

Las Playitas war lange ein reines Fischerdorf auf Fuerteventura. Das spürt man noch heute – in den kleinen Gassen, in den Booten, die im Hafen schaukeln, in den Gesichtern der Einheimischen. Doch der Ort wandelt sich behutsam. In den vergangenen Jahren haben wohlhabendere Bürger von Fuerteventura und Gran Canaria das Dorf als Feriendomizil entdeckt. Alte Fischerhäuser wurden restauriert, manche zu stattlicheren Gebäuden ausgebaut, ohne dass dabei die Seele des Ortes verloren gegangen wäre.

Außerhalb der Hauptsaison – also abseits des Sommers – ist Las Playitas wohltuend leer. Eine Hotelanlage am Ortsrand gibt es zwar, doch der Massentourismus hat den Ort bislang nicht erreicht. Und das, so hofft mancher Stammgast still und leise, soll auch so bleiben.

Frischer Fisch, der auf der Zunge zergeht

Wer Las Playitas besucht, ohne in einem der traditionellen Fischrestaurants einzukehren, hat etwas Wesentliches verpasst. Die Restaurants in Las Playitas bestechen mit einer gemütlichen, fast familiären Atmosphäre – und vor allem mit dem, was direkt vor ihrer Haustür aus dem Meer gezogen wird: fangfrischer Fisch, zubereitet nach alten Rezepten, schlicht und doch meisterhaft.

Wer den Fischern beim Einlaufen zusehen möchte, sollte den Nachmittag für seinen Besuch wählen. Dann kehren die Boote zurück, und das Treiben am kleinen Hafen hat etwas von einem lebendigen Gemälde – salzig, laut, echt.

Aktiv am Wasser: Segeln, Kajak & Surfen

Las Playitas ist nicht nur für Ruhesuchende ein lohnenswertes Ziel. Wer das Meer aktiv erleben möchte, findet hier vielfältige Möglichkeiten: Segelausflüge, Kajaktouren und Katamaranfahrten entlang der nahen Küste werden angeboten – ideal, um die wild zerklüftete Ostküste Fuerteventuras aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

Wellenreiter kommen ebenfalls auf ihre Kosten: Surfbretter können vor Ort gemietet werden. Der Atlantik hält auch für Anfänger gelegentlich passende Wellen bereit. Wasser, Wind und Weite – das Trio, das Fuerteventura seit jeher zu einem Paradies für Wassersportler macht, gilt auch hier.

Der Leuchtturm Faro de la Entallada – ein Panorama für die Ewigkeit

Etwa sechs Kilometer östlich von Las Playitas erhebt sich einer der markantesten Punkte der Ostküste: der Leuchtturm Faro de la Entallada. Er gilt als letzter in Betrieb genommener Leuchtturm Fuerteventuras und thront auf einem Felsen mit Blick aufs Meer, als hätte ihn jemand ans Ende der Welt gesetzt.

Die schmale Straße zum Leuchtturm beginnt am Ortseingang von Las Playitas – sie ist zeitweise durch eine Schranke gesperrt, also lohnt es sich, vorab die Zugänglichkeit zu prüfen. Der Faro de la Entallada selbst ist derzeit nicht begehbar. Doch wer bis hierher geht, wird reich belohnt: Die Panoramablicke über die Küste und den Atlantik sind von einer Weite, die sprachlos macht. Das Licht am späten Nachmittag, wenn es golden über das Meer fällt – es ist eines jener Bilder, die man mit nach Hause nimmt und lange nicht vergisst.

Anreise nach Las Playitas

Die Anfahrt nach Las Playitas auf Fuerteventura ist unkompliziert: Von Gran Tarajal aus folgt man der FV-4 in Richtung Küste. Kurz hinter dem Ort zweigt rechts die FV-512 ab – sie führt direkt nach Las Playitas. Die Strecke ist gut ausgeschildert und auch für Mietwagenfahrer problemlos zu bewältigen.

Fazit: Las Playitas – ein Ort, den man sich merkt

Las Playitas ist kein Ort, den man im Reiseführer auf Seite eins findet. Und genau darin liegt sein größter Reiz. Wer den authentischen Süden Fuerteventuras erleben möchte – fernab von Trubel, nah am Meer, nah an der Insel, wie sie einmal war –, der sollte dieses kleine Dorf nicht links liegen lassen. Ein Besuch genügt, um zu verstehen: Manche Orte muss man einfach selbst erlebt haben.