Vulkankette Corralejo: Wo Fuerteventura seinen wilden Ursprung zeigt
Wer den Norden Fuerteventuras erkundet, tritt in eine Welt ein, die sich seit Jahrtausenden kaum verändert hat. Zwischen der quirligen Küstenstadt Corralejo und dem stillen Dorf Lajares erstreckt sich auf rund 100 Quadratkilometern eine der eindrucksvollsten Vulkanlandschaften der Kanarischen Inseln – die sogenannte Bayuyo-Formation, auch bekannt als Volcanes de Bayuyo. Hier liegt die Erde noch so, wie sie das Feuer hinterlassen hat.
Die Bayuyo-Formation – ein Naturarchiv aus Lava
Die Vulkankette bei Corralejo verläuft in fast gerader Linie von der Nordküste in Richtung Südwesten bis nach Lajares. Was auf den ersten Blick wie eine karge, leblose Mondlandschaft wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein faszinantes Naturarchiv. Wissenschaftler schätzen, dass die Eruptionen dieser Kette vor etwa 50.000 bis 8.000 Jahren stattfanden – mit gewaltigen Folgen: Die Eruptionsmassen vergrößerten die Inselfläche Fuerteventuras erheblich. Die Nordküste soll sich der Theorie zufolge um knapp 10 Kilometer in Richtung Meer verschoben haben. Selbst die benachbarte Isla de Lobos soll auf diese vulkanische Aktivität zurückgehen.
Man steht inmitten dieser Lavawüste und ahnt, welche Kräfte hier einst am Werk waren.
Die vier Krater der Vulkankette
Vier markante Vulkankegel prägen das Gesicht dieser außergewöhnlichen Landschaft im Norden von Fuerteventura:
Jeder dieser Vulkane besitzt einen eigenen Charakter. Jeder erzählt seine Geschichte – in Stein gefroren, vom Wind geformt.
Calderón Hondo – Blick in den Schlund der Erde
Der Calderón Hondo ist ein Vulkankrater wie aus dem Bilderbuch. Sein Kessel, rund 70 Meter tief, öffnet sich am Gipfel wie ein steinernes Amphitheater. Wer den Aufstieg auf die Aussichtsplattform am Kraterrand wagt, blickt hinab in einen der am besten erhaltenen Vulkankrater der Insel – und gleichzeitig weit über den Norden Fuerteventuras hinaus.
Die Stille hier oben hat etwas Meditatives. Der Wind zieht über die Lavafelder, und der Blick schweift bis zur Küste, wo der Atlantik glitzert.
Der Calderón Hondo ist Teil des Vulkanlehrpfads, der die gesamte Kette erschließt und von Lajares aus gut erreichbar ist. Eine kleine Rundwanderung mit Aufstieg startet direkt im Dorf Lajares – ideal für alle, die das Wandern auf Fuerteventura abseits der Touristenpfade erleben möchten.
Bayuyo – Panorama über Corralejo und die Inseln
Vom Gipfel des Bayuyo öffnet sich ein Bild, das sich tief ins Gedächtnis einprägt: Zu Füßen liegt Corralejo, dahinter die weißen Dünen des Naturparks, die sich wie ein Saum entlang der Küste ziehen. Am Horizont erhebt sich Lanzarote, und dazwischen liegt die kleine, nahezu unberührte Isla de Lobos.
Der Bayuyo-Vulkan ist der Namensgeber der gesamten Formation – und er hält, was sein Name verspricht: Wer auf seinen Gipfel steigt, versteht auf einen Blick, wie diese Insel entstanden ist.
Wandern auf dem Vulkanlehrpfad
Entlang der Vulkankette Corralejo–Lajares führt ein ausgeschilderter vulkanischer Lehrpfad, der interessante geologische Einblicke in die raue Umgebung bietet. Die Route lässt sich sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad erkunden – ein seltenes Privileg in einem solchen Naturgebiet.
Die beliebteste Vulkanwanderung auf Fuerteventura führt von Lajares nach Corralejo (oder in umgekehrter Richtung) entlang der verschiedenen Krater. Wer langsam geht, wer schaut und lauscht, entdeckt dabei mehr als nur Lava und Gestein.
Praktischer Hinweis: Festes Schuhwerk ist wegen des losen Lavagesteins und des oft kräftigen Passatwinds am Kraterrand unbedingt empfehlenswert.
Flora und Fauna – Leben auf dem Lavafeld
So karg die Lavawüste im Norden Fuerteventuras auch wirkt – sie ist kein lebloser Ort. Die Vegetation besteht aus spezialisierten Pioniergewächsen: Die grau-silberne Vulkanflechte überzieht das schwarze Gestein, die leuchtend orange Wandflechte setzt farbige Akzente. Dazwischen finden sich niedrige Kräuter, Gebüsche und Moos – alles Arten, die gelernt haben, mit Trockenheit, Wind und karger Erde umzugehen.
In den Kratergebieten lassen sich außerdem die überraschend zutraulichen Atlashörnchen beobachten, die sich zwischen den Lavabrocken treiben. Greifvögel ziehen ihre Kreise hoch über den Kratern – Turmfalken und Bussarde, die das weite Panorama für sich nutzen.
Zwei Aussichtspunkte, zwei Perspektiven
Die Vulkankette bei Corralejo bietet zwei offizielle Aussichtsplattformen, die über separate Wege zu erreichen sind:
Beide Punkte sind voneinander unabhängig erreichbar und lassen sich gut in eine Wandertour durch die Bayuyo-Formation integrieren.
Anfahrt zur Vulkankette
Für die Wanderung durch die Vulkankette Fuerteventura empfehlen sich zwei Ausgangspunkte:
Nach Corralejo: Die Stadt im Norden der Insel ist über die Landstraßen FV-1 oder FV-101 gut erreichbar.
Nach Lajares: Die Anfahrt erfolgt über die FV-101 oder die FV-10 – ein kleines Dorf, das sich als ruhiger Ausgangspunkt für Wanderungen bestens eignet.
Fazit: Fuerteventuras Norden – rau, ursprünglich, unvergesslich
Die Vulkankette bei Corralejo ist kein Ort für schnelle Durchfahrten. Es ist ein Ort zum Innehalten. Hier erzählt jeder Stein von einer Vergangenheit, die Millionen Jahre zurückreicht, und jeder Windhauch trägt die Weite des Atlantiks in sich. Wer die Bayuyo-Formation einmal zu Fuß durchquert hat, versteht Fuerteventura auf eine Weise, die kein Strand der Welt vermitteln kann.
Der Norden wartet – mit Feuer im Boden und Frieden im Herzen.
